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Kohärenzatmung: Wie Du mit der richtigen Atmung Herz, Nerven und Blutdruck in Einklang bringst

Resonanzatmung

Es gibt einen Atemrhythmus, bei dem Dein Herz, Deine Atmung und Dein Blutdruck anfangen, im selben Takt zu schwingen. Er heißt Kohärenzatmung, manchmal auch Resonanzatmung, und er ist einer der am besten erforschten Wege, das Nervensystem zu beruhigen. Keine Esoterik, sondern messbare Physiologie. Und Du brauchst dafür nichts außer Deinem Atem und ein paar Minuten.

Ich werde oft gefragt, mit welcher Übung man anfangen soll, wenn man einfach zur Ruhe kommen will. Fast immer sage ich: mit dieser. Sie ist ruhig, simpel und so verlässlich, dass man ihr die Wirkung fast ansehen kann, wenn man ein Messgerät danebenlegt. Genau das schauen wir uns hier an: was im Körper passiert, wie Du sie machst und warum sie so gut belegt ist.

So einfach, dass man sie unterschätzt. So wirksam, dass die Polizei damit trainiert.

Magst Du lieber zuhören? Ich habe dem Thema eine ganze Folge gewidmet.

FlowCast, der Podcast von AtemFlow mit Maria
Was ist die Kohärenzatmung?
6:29

Der Rhythmus, in dem alles zusammenfindet

Die meisten von uns atmen im Alltag schnell und flach, ohne es zu merken. Die Kohärenzatmung dreht das um. Wenn Du auf etwa sechs Atemzüge pro Minute verlangsamst, also ungefähr fünf Sekunden ein und fünf Sekunden aus, passiert etwas Schönes: Herzschlag, Atmung und Blutdruck geraten in einen gemeinsamen Rhythmus. Beim Einatmen wird Dein Herz ein wenig schneller, beim Ausatmen langsamer. Diese feine Welle nennt man Herzratenvariabilität, und sie ist ein guter Gradmesser dafür, wie flexibel und widerstandsfähig Dein Nervensystem ist.

Je ruhiger und gleichmäßiger Du atmest, desto mehr kommt Dein System in diese Resonanz, in der sich Anspannung fast von selbst löst.

So atmest Du, Schritt für Schritt

Atme mit
Ein, wenn der Kreis wächst, aus, wenn er kleiner wird. Etwa fünf Sekunden ein, fünf Sekunden aus.
≈ 6 Atemzüge pro Minute
  1. Setz oder leg Dich bequem hin, Schultern und Gesicht ganz locker.
  2. Atme etwa fünf Sekunden ruhig durch die Nase ein.
  3. Atme etwa fünf Sekunden sanft wieder aus, durch Nase oder Mund.
  4. Halte diesen Takt fünf bis zehn Minuten. Rund sechs Atemzüge pro Minute sind ideal.
  5. Magst Du es tiefer? Verlängere die Ausatmung leicht, etwa vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus.

TippStell Dir vor, Du wiegst Dich sanft im Rhythmus Deines Atems. Zähl nicht verbissen, lass den Takt eher entstehen.

Warum das keine Esoterik ist, sondern Physiologie

Ich sage das bewusst so deutlich, weil Atemübungen gern in die Wellness-Ecke geschoben werden. Kohärenzatmung ist aber gut untersucht. Ein systematischer Überblick über die Forschung zum langsamen Atmen zeigt, dass es den beruhigenden Teil des Nervensystems stärkt und die Herzratenvariabilität verbessert.

Der Mechanismus dahinter, die sogenannte Resonanzfrequenz von etwa sechs Atemzügen pro Minute, ist seit Jahren erforscht. In diesem Tempo trainierst Du über den Blutdruck-Reflex, den Baroreflex, und über den Vagusnerv genau die Regelkreise, die Dich beruhigen. Und eine Studie zur Resonanzatmung fand, dass sie die Herzratenvariabilität erhöht und die Stimmung hebt.

Am eindrücklichsten finde ich aber, wer diese Technik längst im Alltag nutzt. Herzkohärenz ist der Kern der bekannten HeartMath-Methode, und seit über zehn Jahren trainieren damit die Polizei-Akademien in den Niederlanden und Belgien ihre Leute, weit über 60.000 Polizistinnen und Polizisten, um unter echtem Druck ruhig zu bleiben. In einer Polizei-Studie sank die Stressbelastung um rund 40 Prozent, und die Wirkung hielt selbst nach fast zwei Jahren noch an. Wenn Menschen, deren Job täglich aus Anspannung besteht, damit gelassener werden, sagt das mehr als jede Theorie.

Belgische Polizei mit der Aufschrift Police und Politie, trainiert Herzkohärenz
60.000+Polizisten seit 2012
−40 %Stressbelastung
23 MonateWirkung hält an
Herzkohärenz im Programm „Mentale Kracht" der niederländisch-belgischen Polizei.

Kurz gesagt: Was sich anfühlt wie Runterkommen, lässt sich im Körper tatsächlich messen. Das ist mir wichtig, denn Du sollst wissen, dass hier kein Zauber wirkt, sondern Dein eigenes Nervensystem, das Du trainieren kannst.

Was es Dir bringt

Weniger StressUnter Druck bleibst Du eher gelassen, statt sofort hochzufahren.
Besser schlafenAls Abendritual hilft die ruhige Atmung, schneller und tiefer einzuschlafen.
Klarer KopfEin ruhiges Nervensystem denkt klarer, gerade wenn es viel ist.
Herz & KreislaufDer trainierte Blutdruck-Reflex tut Deinem Herz-Kreislauf-System langfristig gut.

Kleine Atempausen, große Wirkung

Das Schöne ist: Kohärenzatmung wirkt nicht nur im Moment. Sie ist wie ein sanftes Training für Deine Nerven. Wer sie regelmäßig übt, kommt mit der Zeit schneller zur Ruhe, auch ohne bewusst daran zu denken. Ein paar Minuten am Tag, an einen festen Moment geknüpft, reichen schon. In einer Welt, die oft zu schnell ist, ist das ein kleiner, verlässlicher Weg zurück in Deine Mitte.

Wenn Du es mit einer ruhigen Stimme im Ohr ausprobieren möchtest, findest Du im AtemFlow-Studio geführte Kohärenzatmungen, die Dir den Takt vorgeben, sodass Du nicht zählen musst. Du kannst 14 Tage lang kostenlos mit mir üben.

Atme gut, Maria

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kohärenzatmung und Resonanzatmung?
Praktisch dasselbe. „Resonanz" betont die Frequenz, bei der Herz und Atem in Einklang kommen, meist um sechs Atemzüge pro Minute. „Kohärenz" beschreibt den Zustand, der dabei entsteht. Du kannst die Begriffe getrost synonym verwenden.
Wie lange sollte ich üben?
Fünf bis zehn Minuten am Stück tun schon gut. Wichtiger als die Dauer ist die Regelmäßigkeit, lieber täglich kurz als selten lang. An einen festen Moment geknüpft, etwa morgens oder vor dem Schlafen, bleibst Du leichter dran.
Wie merke ich, dass ich in meiner Resonanzfrequenz bin?
Meist an einer angenehmen Leichtigkeit, der Atem läuft wie von selbst und es fühlt sich rund an. Die Frequenz liegt bei den meisten um sechs Atemzüge pro Minute. Ein bisschen Ausprobieren zwischen fünf und sieben hilft, Deinen persönlichen Takt zu finden.
Brauche ich spezielle Technik oder Hilfsmittel?
Nein. Dein Atem reicht völlig. Eine geführte Anleitung oder ruhige Musik hilft nur, den Takt leichter zu halten, damit Du nicht auf die Uhr schauen musst.
Kann Kohärenzatmung bei Angst, Schlafstörungen oder Erschöpfung helfen?
Sie ersetzt keine Behandlung, aber als sanftes Werkzeug tut sie vielen gut, gerade bei innerer Unruhe und Einschlafproblemen. Bei ernsteren oder anhaltenden Beschwerden hol Dir bitte zusätzlich ärztlichen Rat.
Wie ist Kohärenzatmung im Vergleich zu Meditation oder Yoga?
Sie ist konkreter und wirkt oft schneller, weil Du direkt am Atem ansetzt, statt den Geist beruhigen zu müssen. Den ausführlichen Vergleich von Atemübungen und Meditation habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben.
Maria Böhme von AtemFlow

Verfasst von

Maria Böhme

Maria ist zertifizierte Buteyko-Atemtrainerin, systemische Familientherapeutin und kommt aus der Sozialen Arbeit. Zusammen mit ihrem Mann Christian hat sie AtemFlow aufgebaut, alle über 200 Atemübungen hat sie selbst eingesprochen. Sie liebt den Austausch, hält wöchentliche Live-Sessions und beantwortet jede Mail persönlich.

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