„Machst Du Deine Atemübungen überhaupt richtig? Ist das, was Du gelernt hast, vielleicht sogar gefährlich?“ Solche Botschaften begegnen Dir online immer häufiger, und sie treffen einen wunden Punkt. In diesem Artikel erkläre ich Dir, warum diese Verunsicherung oft Methode hat, woran Du gutes Atemtraining erkennst, und ich nehme Dir die wichtigste Sorge gleich hier: In den allermeisten Fällen machst Du nichts falsch.
Eine Leserin schrieb mir neulich, ganz aufgewühlt. Sie hatte ein Webinar gesehen, das sie völlig verunsichert hatte. Plötzlich war sie sich nicht mehr sicher, ob sie richtig atmet, ob ihre Zunge an der richtigen Stelle liegt, ob all das, was ihr bisher gutgetan hatte, überhaupt stimmt. Solche Mails bekomme ich öfter, und sie machen mich jedes Mal ein bisschen traurig. Deshalb möchte ich heute offen darüber schreiben.
Der Trick mit der Angst
Es gibt eine Masche im Gesundheitsmarketing, die immer nach demselben Muster funktioniert:
- VerunsichernFast alles, was Du bisher gelernt hast, sei ungenau, falsch oder sogar gefährlich.
- Der eine WegNur ein ganz bestimmtes, kontrolliertes Vorgehen sei wirklich richtig.
- Das AngebotUnd dann, wie zufällig, folgt der passende Kurs.
Erkennst Du das Muster, verliert es seine Wirkung.
Emotional wirkt das stark, weil Angst ein sehr wirksamer Hebel ist. Wer verunsichert ist, greift schneller zu. Nur: Wenn man genauer hinschaut, ist inhaltlich selten etwas Neues dabei. Die Bausteine sind fast immer dieselben, die in gutem Atemtraining ohnehin bekannt sind, die ruhige Nasenatmung, die Zwerchfellatmung, ein gesunder Umgang mit Kohlendioxid. Über diese Grundlagen schreibe ich seit Jahren, zum Beispiel im Artikel zum Atempausentraining. Neu ist daran meist nur die Verpackung, nämlich die Angst.
Ich möchte niemanden schlechtreden, das liegt mir fern. Aber wer es doch tut, sagt damit am Ende mehr über sein Marketing als über seine Methode.
Warum Angst eine schlechte Lehrerin ist
Es gibt noch einen tieferen Grund, warum ich diese Masche kritisch sehe, und der betrifft die Atmung ganz direkt. Angst und Anspannung sind für eine gute Atmung das Gegenteil von hilfreich.
Wenn Du verunsichert an Deinen Atem herangehst, wenn Du bei jedem Atemzug grübelst, ob Du es auch ja richtig machst, dann baust Du genau die Anspannung auf, die eine ruhige Atmung verhindert. Je mehr wir kontrollieren und uns kontrollieren, desto flacher und angestrengter wird der Atem. Diese flache Atmung ist leiser und unterschätzter, als die meisten denken. Gutes Atemtraining führt Dich also in die Ruhe, nicht in die Sorge. Ein Ansatz, der Dich ängstlicher zurücklässt als vorher, arbeitet gegen sein eigenes Ziel.
Woran Du gutes Atemtraining erkennst
Damit Du das nicht falsch verstehst: Anleitung ist wertvoll. Es macht einen großen Unterschied, ob Dir jemand zeigt, wie Du übst, wie oft und wie sanft, und ob jemand da ist, wenn Fragen auftauchen. Genau deshalb gibt es Kurse und Begleitung, auch bei mir. Der Unterschied liegt in der Haltung dahinter:
- Sagt Dir, alles bisher sei falsch
- Setzt auf Druck und Alarm
- Lässt Dich ängstlicher zurück
- Holt Dich ab, wo Du stehst
- Arbeitet mit Geduld und Ruhe
- Macht Dich sicherer
Gutes Atemtraining ist ehrlich in dem, was es verspricht, und es lässt Dir Raum, Deinem eigenen Körper zu vertrauen. Wenn sich etwas nach Bevormundung oder Alarm anfühlt, darfst Du misstrauisch werden. Wenn es Dich ruhiger und sicherer macht, bist Du richtig.
Mache ich es überhaupt richtig?
Jetzt zu der Frage, die so viele umtreibt. Meine Antwort ist beruhigend einfach. Du atmest richtig, wenn es sich leicht und angenehm anfühlt, ohne Druck und ohne Pressen.
Was sich gut anfühlt, ist richtig.
Perfekt machen musst Du dabei gar nichts. Dein Körper weiß erstaunlich gut, wie er atmen möchte, sobald Du ihn lässt. Es geht weniger darum, etwas Bestimmtes zu tun, als das Angestrengte wegzulassen. Wenn Du Dir unsicher bist, schau nicht auf die Technik, sondern spür einfach nach, ob es sich mühelos anfühlt. Wenn ja, bist Du auf einem guten Weg.
Wo die Zunge liegt
In Ruhe liegt die Zunge locker am Gaumen, mit der Spitze knapp hinter den oberen Schneidezähnen.
Sie findet diese Lage von ganz alleinDu musst die Zunge also nicht bewusst irgendwohin drücken. Im Gegenteil, je mehr wir darüber nachdenken und daran herumkontrollieren, desto mehr Anspannung entsteht. Atme ruhig durch die Nase, lass den Kiefer weich werden, und die Zunge findet ihren Platz von selbst.
Wenn Dein Körper gerade viel mitmacht
Manchmal steckt hinter der Verunsicherung auch eine körperliche Veränderung. Nach einer Krankheit, einer Operation oder einer Narkose zum Beispiel rutschen viele Menschen bei Anstrengung schneller in eine leichte, schnellere Atmung, etwa beim Gehen oder an kleinen Steigungen. Das ist völlig normal. Dein Körper hat viel hinter sich und ist noch nicht wieder auf seinem alten Stand.
Deine Nase ist Dein Tempomesser. Geh so langsam, dass Du die Nasenatmung halten kannst. Will der Mund aufgehen, wird es kurz flacher, dann gehst Du langsamer und danach wieder weiter. So wächst Deine Belastbarkeit ganz von allein zurück.
Wenn Beschwerden nach einer Operation allerdings stark sind oder anhalten, besprich das bitte mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.
Du darfst Dir vertrauen
Am Ende ist das meine wichtigste Botschaft an Dich: Ein guter Lehrer, eine gute Lehrerin macht Dich sicherer, nicht ängstlicher. Du brauchst niemanden, der Dir Angst macht, um gut für Dich zu sorgen. Und Du darfst Deinem Körper und Deinem Gefühl vertrauen. Sanft, leicht und ohne Druck, das ist kein Kompromiss, sondern der richtige Weg.
Wenn Du Dich beim Üben gern begleiten lässt, findest Du im AtemFlow-Studio über 200 geführte Atemübungen, die Dich ruhig und ohne Druck an die Hand nehmen. Und wenn Dich etwas verunsichert, schreib mir einfach eine Mail. Ich lese und beantworte sie persönlich, so wie ich es bei der Leserin getan habe, deren Frage diesen Artikel angestoßen hat.
Atme gut, Maria





