AtemFLow

Atemübungen zum Einschlafen: So findest Du abends schneller Ruhe

Schlaf

Sanft in den Schlaf

Du liegst im Bett, bist müde, und trotzdem dreht sich der Kopf einfach weiter. Genau dann kann Dir Dein Atem helfen. Atemübungen zum Einschlafen sind eine der einfachsten und wirksamsten Einschlafhilfen, die es gibt: kostenlos, immer dabei und ohne Nebenwirkungen. Ich zeige Dir hier die besten Übungen Schritt für Schritt und sage Dir ehrlich, worauf es dabei wirklich ankommt.

Diese Nächte kenne ich selbst gut. Seit Bruno da ist, bin ich abends oft so müde, dass ich sofort schlafen könnte, und dann liegt der Kopf trotzdem noch beim nächsten Tag. Der Atem ist das, was mich in solchen Momenten am zuverlässigsten zurück in die Ruhe bringt.

Warum der Atem beim Einschlafen hilft

Einschlafen können wir nur, wenn der Körper vom Aktiv- in den Ruhemodus wechselt. Tagsüber ist Dein Gaspedal gedrückt, der aktivierende Teil des Nervensystems. Zum Einschlafen braucht es den Gegenspieler, die Bremse. Wenn abends aber die Gedanken kreisen, bleibt der Fuß auf dem Gas, und der Körper bekommt gar nicht erst das Signal, herunterzufahren.

GaspedalTagsüber: wach und aktiv
→
BremseZum Einschlafen: ruhig und gelöst

Einschlafen bedeutet, vom Gas auf die Bremse zu wechseln. Dein Atem ist der Schalter.

Genau hier setzt der Atem an. Er ist die einzige Körperfunktion, die von allein läuft und die Du zugleich bewusst steuern kannst. Wenn Du langsam atmest und vor allem länger ausatmest als einatmest, aktivierst Du über den Vagusnerv den Ruhemodus. Der Puls sinkt, die Muskeln lösen sich, der Kopf wird stiller. Ein Überblick über die Forschung zum langsamen Atmen bestätigt, dass ruhiges, langsames Atmen den beruhigenden Teil des Nervensystems stärkt. Du gibst Deinem Körper damit genau das Signal, das er zum Einschlafen braucht.

Worauf es beim Einschlaf-Atmen ankommt

Bevor wir zu den Übungen kommen, ein paar Grundregeln, die den Unterschied machen:

Atme durch die NaseRuhig und leise. Die Nasenatmung beruhigt und ist die Basis jeder guten Einschlafübung.
Atme länger aus als einDas Ausatmen ist die eigentliche Bremse fürs Nervensystem.
Atme sanft, nicht tief und kräftigEs geht um wenig und ruhig, nicht um viel Luft. Ein leichtes, gut aushaltbares Gefühl von Lufthunger ist völlig in Ordnung.
Lass jeden Ehrgeiz wegDu musst nichts erreichen. Je weniger Du das Einschlafen erzwingst, desto eher kommt es.

Drei Atemübungen zum Einschlafen

Meine Empfehlung für den Anfang
1

Die verlängerte Ausatmung

Ein 4 · Aus 6

Das ist die sanfteste und für die meisten die angenehmste Übung.

  1. Leg Dich bequem hin und atme ein paar Mal ganz normal durch die Nase.
  2. Atme dann durch die Nase ein und zähle innerlich bis vier.
  3. Atme durch die Nase wieder aus und zähle dabei bis sechs.
  4. Wiederhole das für ein paar Minuten und lass den Atem mit der Zeit immer leiser werden.

Wenn sich vier zu sechs zu lang anfühlt, nimm kleinere Zahlen. Entscheidend ist nur, dass das Ausatmen länger dauert als das Einatmen.

2

Die Kohärenzatmung

Ein 5 · Aus 5

Hier atmest Du im ruhigen Rhythmus von etwa sechs Atemzügen pro Minute, also ungefähr fünf Sekunden ein und fünf Sekunden aus. In diesem Tempo geraten Herzschlag und Atmung in einen gemeinsamen Takt, und der Körper kommt in eine tiefe Ruhe. Mehr dazu findest Du in meinem Artikel zur Kohärenzatmung.

3

Die 4-7-8-Atmung

Ein 4 · Halt 7 · Aus 8

Diese Technik wird oft als Einschlaf-Wunder gehandelt: vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden halten, acht Sekunden durch den Mund ausatmen. Das lange Ausatmen wirkt tatsächlich stark beruhigend, und vielen hilft der feste Rhythmus.

Ehrlich als Atemtrainerin: Das lange Anhalten und das kräftige Ausatmen durch den Mund sind auf Dauer nicht ideal, und manche fühlen sich dabei eher unruhig als ruhig. Sanfter wird es so: Du kannst auch durch die Nase ausatmen, oder Du nutzt eine leichte Lippenbremse, also ausatmen gegen locker gespitzte Lippen. Probier es ruhig aus. Tut es Dir gut, wunderbar. Ist Dir das Halten unangenehm, bleib lieber bei der verlängerten Nasenausatmung aus Übung eins, für die meisten der ruhigere Weg.

Wenn die Gedanken einfach nicht aufhören

Das kennt fast jeder: Der Körper ist müde, aber der Kopf spult weiter. Hier ist der Atem doppelt wertvoll, denn er gibt Deiner Aufmerksamkeit etwas, woran sie sich festhalten kann. Statt den Gedanken hinterherzulaufen, zählst Du Deine Atemzüge oder spürst einfach, wie die Luft in der Nase kühl ein- und warm ausströmt.

Nimm Dir den Druck. Schon das ruhige Daliegen und Atmen ist Erholung, auch wenn der Schlaf noch auf sich warten lässt.

Denn wenn Du seit einer Weile wach liegst und Dich das Nichteinschlafen ärgert, steht genau dieser Ärger dem Schlaf im Weg. Sobald Du ihn loslässt, kommt der Schlaf oft von ganz allein.

Deine kleine Abendroutine

Am besten wirkt der Atem, wenn er zur Gewohnheit wird. Häng ihn an Dein Zubettgehen: Sobald Du liegst und das Licht aus ist, ein paar Minuten ruhige, verlängerte Ausatmung. Mehr braucht es nicht. Wenn Dir das Alleinüben schwerfällt, lass Dich führen. Eine ruhige Stimme gibt Dir den Rhythmus vor, und Du musst nichts mehr selbst zählen. Genau dafür gibt es im AtemFlow-Studio eigene geführte Übungen zum Einschlafen, die Dich sanft in den Schlaf begleiten. Du kannst sie 14 Tage lang kostenlos ausprobieren.

Wann Du genauer hinschauen solltest

So wirksam der Atem ist, ich möchte ehrlich mit Dir sein: Wenn Du über Wochen kaum schläfst, Dich tagsüber stark erschöpft fühlst oder unter starker innerer Unruhe leidest, steckt manchmal mehr dahinter. Sprich in dem Fall bitte mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt. Atemübungen sind eine wunderbare Unterstützung für erholsamen Schlaf, aber bei anhaltenden Schlafproblemen ersetzen sie keine ärztliche Abklärung.

Fazit

Du musst Dich nicht in den Schlaf zwingen. Du darfst Dich hineinatmen.

Ein paar ruhige Minuten mit langer, leiser Ausatmung sagen Deinem Körper, dass der Tag vorbei ist und er loslassen darf. Probier es heute Abend einfach aus, ganz ohne Erwartung. Dein Atem ist die Einschlafhilfe, die Du immer dabeihast.

Atme gut und schlaf schön, Maria

Häufige Fragen

Welche Atemübung ist am besten zum Einschlafen?
Für die meisten Menschen ist die verlängerte Ausatmung am angenehmsten: durch die Nase einatmen und doppelt so lange oder etwas länger wieder ausatmen. Sie ist sanft, einfach und wirkt zuverlässig beruhigend.
Hilft die 4-7-8-Atmung wirklich beim Einschlafen?
Vielen hilft der feste Rhythmus und das lange Ausatmen. Das lange Anhalten und das Ausatmen durch den Mund sind aber nicht für jeden angenehm. Wenn Dir das unangenehm ist, ist die sanfte verlängerte Nasenausatmung die ruhigere Alternative.
Wie lange sollte ich vor dem Einschlafen atmen?
Oft reichen schon drei bis fünf Minuten. Wichtiger als die Dauer ist, dass Du ruhig und ohne Druck atmest. Viele schlafen ein, bevor die Zeit um ist.
Soll ich zum Einschlafen durch die Nase oder den Mund atmen?
Am besten durch die Nase. Die Nasenatmung beruhigt und ist die Grundlage für einen ruhigen Schlaf. Nur bei der 4-7-8-Technik wird bewusst durch den Mund ausgeatmet.
Was mache ich, wenn ich nachts aufwache?
Bleib liegen und kehre zur ruhigen, verlängerten Ausatmung zurück, ohne aufs Nichteinschlafen zu schauen. Der Atem gibt Deiner Aufmerksamkeit einen Anker und hilft Dir, wieder hinüberzugleiten.
Maria Böhme von AtemFlow

Verfasst von

Maria Böhme

Maria ist zertifizierte Buteyko-Atemtrainerin, systemische Familientherapeutin und kommt aus der Sozialen Arbeit. Zusammen mit ihrem Mann Christian hat sie AtemFlow aufgebaut, alle über 200 Atemübungen hat sie selbst eingesprochen. Sie liebt den Austausch, hält wöchentliche Live-Sessions und beantwortet jede Mail persönlich.

Mehr über Maria →

Magst Du es selbst spüren?

Atme 14 Tage lang kostenlos mit uns im AtemFlow Studio.

Zum Studio